Anschaffung

Vor der Anschaffung eines Weissbauchigels gibt es ein paar Punkte, die genau beachtet werden müssen:

Ist ein Weissbauchigel das richtige Haustier für mich?

Weissbauchigel...

  • ...sind nachtaktiv und brauchen am Tag ihre Ruhe
  • ...haben einen großen Bewegungsdrang, d.h. sie brauchen ein großes Terrarium und jeden Abend Auslauf
  • ...brauchen für eine artgerechte Ernährung auch lebende Insekten
  • ...können auch einmal krank werden und müssen dann zu einem Tierarzt gebracht werden, der sich mit Exoten auskennt.
  • ...sind keine Kuscheltiere, auch wenn einige sehr zahm und anhänglich werden können, dafür macht das Beobachten umso mehr Spaß
  • ...sind für Kinder ungeeignet, da sie nachaktiv sind und nicht gerne kuscheln
  • ...brauchen viel Wärme, was man durch ein wärmespeicherndes Terrarium und spezielle Rotlichtlampen erreichen kann
  • ...müssen auch während eines Urlaubes oder Krankheitsfalles versorgt werden
  • sind grundsätzlich keine Gruppentiere, auch wenn eine Haltung in gleichgeschlechtlichen Gruppen oft funktioniert. Dennoch sollte man bei Haltung mehrerer Tiere die Möglichkeit haben, diese im Notfall zu trennen
  • können, wie die meisten Haustiere, Allergien auslösen. Man sollte daher nach Möglichkeit vorher testen, ob keine Person im Haushalt gegen den Igel allergisch reagiert. Oft ist auch Einstreu der Übeltäter, diese kann dann gegen eine für Allergiker geeignete ausgetauscht werden
  • können mehrere Jahre alt werden und wollen in dieser Zeit auch gewissenhaft von ihrem Besitzer gepflegt und nicht nach kurzer Zeit wieder abgegeben werden.

Wenn ihr mit diesen Bedürfnissen und Anforderungen eines Weissbauchigels übereinstimmt und diese mit Freude erfüllt, ist ein Weissbauchigel genau das richtige Haustier für euch und ihr werdet viel Spaß an diesen lustigen Gesellen finden!

Wie komme ich an einen Weissbauchigel und woran erkenne ich, ob er gesund ist?

Am Besten ist es, wenn man seinen neuen Lebensgenossen von einem seriösen Züchter bekommt, der viel Wert auf gesunde und zutrauliche Jungtiere legt. Vielleicht gibt es sogar einen Züchter in eurer Nähe, sodass man sich die Haltung der Tiere und auch die Elterntiere einmal anschauen kann und noch ein paar hilfreiche Tipps mit nach Hause nehmen kann. Außerdem steht ein verantwortungsvoller Züchter den neuen Besitzern auch nach der Abgabe eines Tieres bei Fragen und Problemen mit Rat und Tat zur Seite. Dazu haben ich unter meinen Links einige Züchter aufgeführt. Falls ihr keinen Züchter in der Nähe findet, heisst das nicht, das euer Traum von einem Igel zerplatzt, denn die meisten Züchter bieten die Möglichkeit an, ihre Nachzuchten per Mitfahrgelegenheiten oder Tierspeditionen zu ihren neuen Haltern bringen zu lassen.
Aber es gibt auch einige Notfalligel, die schon etwas älter sind und von ihren Haltern nicht mehr verpflegt werden können oder wollen. Sie findet man häufig in bei Tieranzeigen im Internet oder als Notfalltiere bei Züchtern, die diese Tiere vorrübergehend in ihre Obhut nehmen. Für diese Tiere habe ich die Rubrik Notigel angelegt, wo ich diese Tiere vorstellen möchte.
Ab und an findet man auch Weissbauchigel in Zoohandlungen, was meiner Meinung nach kein geeigneter Ort für einen Igel ist, da seinen Bedürfnissen in keiner Weise nachgekommen werden kann. Gerade hier sollte man sich das Tier genau anschauen und auch nach seiner Herkunft fragen. Außerdem sollte man bedenken, dass der Kauf eines Igels aus einer Zoohandlung die Nachfrage erhöht und so der nächste Igel in dieser Zoohandlung sein Dasein fristen muss. Daher würde ich davon abraten, so Leid einem das Tier auch tut, Zoohandlungen durch den Kauf des Tieres zu unterstützen.

Des Weiterem empfiehlt es sich, vor dem Kauf eines Igels, Rücksprache mit verschiedenen erfahrenen Züchter zu halten (hier empfiehlt sich vor allem ein Forum), um keinen "schwarzen Schaf" in die Hände zu fallen. Viele Züchter bieten auch ganz unverbindlich eine Besichtigung ihrer Tiere an, sodass man prüfen kann, ob dies das richtige Haustier für einen ist.

Wichtig bei der Auswahl des zukünftigen Haustiers


Ein gesundes Tier...

  • hat klare Augen ohne Ausfluss oder Trübung
  • hat ein dichtes Stachelkleid und Fell ohne kahle Stellen und Verkrustungen
  • weist keinerlei Anzeichen von Parasiten auf (verkrustete Stellen, rote Haut, schwarze Pünktchen im Fell...)
  • hat eine saubere Nase ohne Ausfluss
  • hat saubere Füße, die Krallen sind nicht zu lang
  • atmet ruhig und ohne Geräusche (ein Rasseln oder Klacken weist auf eine Atemwegserkrankung hin)
  • hat festen, dunklen Kot und der After des Tieres ist sauber
  • ist weder zu dick noch zu dünn
  • trinkt und frisst ohne irgendwelche Auffälligkeiten

Außerdem sollte man sich nach Möglichkeit einen Abstammungsnachweis des Tieres geben lassen, in dem Geburtsdatum, Eltern und Großeltern, sowie Farbe und Züchter des Tieres hinterlegt sind.

Erstausstattung

Steht der Entschluss fest, dass ein Weissbauchigel einziehen soll, gilt es vorweg einige Anschaffungen zu tätigen. Im Folgenden haben wir eine Liste zusammengestellt, die einem für den Anfang etwas helfen soll. Es kommen dabei einige Kosten zusammen, die man keinesfalls unterschätzen sollte, aber auf das Leben eines Weissbauchigels gesehen, macht es nur einen Bruchteil aus! Dessen sollte man sich unbedingt vorher bewusst sein.

1. Terrarium (mindestens 150x50x50cm, am besten aus OSB): 60-200€

2. "Wasserschutz" für das Terrarium (Epoxidharz, PVC, Teichfolie): ca. 20€

3. pro Tier mindestens ein Schlafhäuschen: je ca. 15-20€

4. Futter- und Wasserschüsselchen (größere Keramik- oder Tonschalen haben sich bewährt, da sie nur schwer umgeworfen werden können): je ca. 4€

5. Lampenfassung (aus Keramik, um der Hitze standzuhalten): ca. 10€

6. Wärmelampe (HeatGlo oder Keramikstrahler): 6-30€

7. Thermometer: ca. 2-5€

8. zur Steuerung einen Controller oder eine Zeitschaltuhr (der Controller übernimmt selbstständig die Einhaltung der Temperatur, bei der Zeitschaltuhr muss man selber ausprobieren): 4-60€

9. Einrichtungsgegenstände (z.B. Korkröhren, Tunnel, Steine, Brücken etc.): je ca. 5-20€

10. Freilauf (selbstgebaut oder als Fertigset): 10-30€

11. Trockenfutter (hochwertig): 1kg 10-15€ (Großpakete sind meist wesentlich günstiger, machen aber nur Sinn, wenn man mehrere Tiere hat, da sie sonst verderben)

12. Futterinsekten (verschiedene Sorten): pro Schälchen 2-4€

13. Einstreu (3,5kg): ca. 1-4€

Die ersten Tage...

... im neuen Heim sind für den Igel besonders aufregend und beängstigend zugleich. Alles ist neu, dass Terrarium, die Umgebeung, die Gerüche, die Menschen. Und leicht kann es für alle Beteiligten deprimierend werden, wenn der Igel ängstlich ist und sich nicht raus traut und der Besitzer seinen neuen Mitbewohner endlich richtig kennenlernen möchte. Daher sollte man in den ersten Tage einige Punkte beachten, damit sich bald ein harmonisches Miteinander entwickelt. Kommt man mit seinem neuen Mitbewohner nach Hause, sollte man diesen erst einmal sofort in sein Terrarium (welches vorher bereits vollständig eingerichtet wurde) setzen und ihn in Ruhe lassen, auch wenn es schwer fällt. In den nächsten Tagen sollte man einzig die täglichen Pflegemaßnahmen ergreifen, d.h. Kot entfernen und Urinecken säubern, Futter und Wasser austauschen und den Igel weiterhin ignorieren. Während der Arbeiten am Terrarium kann man schonmal mit sanfter Stimme mit dem Tier reden, damit es sich an den Klang gewöhnt. Nach ca. einer Woche kann man sich vor das offene Terrarium setzen, mit dem Igel reden und ihm die Hand hinhalten. Vielleicht ist er bereits neugierig und kommt von selbst und nimmt seinen neuen Freund genau in Augenschein. Es kann aber auch sein, dass er noch schüchtern in seinem Versteck bleibt. Dann kann man versuchen, ihn mit ganz besonderen Leckereien, wie z.B. einem Würmchen, zu locken. Dies sollte man immer weiter wiederholen, bis der Igel von selbst neugierig angelaufen kommt und eventuell sogar von alleine auf die Hand kommt. Wenn er sich das noch nicht traut, kann man auch vorsichtig mit den Händen unter ihn greifen und ihn aus dem Terrarium heben. Ist man soweit, kann man sich abends z.B. gemeinsam auf das Sofa oder in den Freilauf setzen. Da Igel in der Regel sehr neugierig sind, werden sie sich schnell umschauen. Manchmal hat man es aber auch mit ganz besonderen "Härtefällen" zu tun, die nicht aus ihrer Deckung kommen und sich immer wieder zusammenkugeln und dabei nuffen. Hier ist natürlich etwas mehr Geduld und Einfühlungsvermögen gefragt. Man kann zusätzlich auch noch Kleidungsstücke, die den eigenen Geruch tragen, in das Terrarium legen, damit es für den Igel selbstverständlich wird. Und dann gilt es sich immer wieder vorsichtig mit dem Igel zu beschäftigen, ihn möglichst aus der Hand zu füttern und keine negativen Verknüpfungen entstehen zu lassen. Die meisten Igel werden auf diese Art und Weise "zahm", doch gibt es auch immer wieder Individuen, die keinen Kontakt zulassen. Das sollte man dann auch akzeptieren, schließlich hat man sich ja auch keinen Teddybären ins Haus geholt.