Haltung

Immer mehr Afrikanische Weissbauchigel finden den Weg in unsere Wohnzimmer. Doch das heißt noch lange nicht, dass sie auch artgerecht gehalten werden. Da es sich um Exoten handelt stellt die Haltung doch gewisse Ansprüche an den Igelhalter, oder diejenigen, die es noch werden wollen. Vor der Anschaffung sollte man sich genauer über die Bedürfnisse und Gewohnheiten der kleinen Igel informieren, um sicherzustellen, dass man diesen gerecht werden kann und sie zu den eigenen Lebensgewohnheiten passen.
Igel haben einen großen Bewegungsdrang und benötigen daher ein großes Terrarium (mindestens 150 x 50 x 50 cm, größer ist natürlich immer besser) und täglichen kontrollierten Freilauf, wobei beides interessant gestaltet sein sollte. Der Bewegungsdrang eines Igels ist vergleichbar mit dem einer Katze! Dazu sollten die Tiere täglich die Möglichkeit bekommen, um sich einmal richtig auszupowern. Hierzu eignen sich am besten igelsichere Zimmer oder zusammenklappbare Freiläufe für Kleintiere oder Selbstbauten.
Man sollte sich auch darüber im Klaren sein, dass Weissbauchigel nachtaktiv sind, also erst dann aufstehen, wenn so mancher sich schlafen legt.
Auch Wärme spielt eine wichtige Rolle: im Terrarium sollte die Tagestemperatur 23 - 28°C betragen, nachts kann eine Absenkung um wenige Grade erfolgen. Sowohl bei zu hohen, als auch bei zu niedrigen Temperaturen verfallen die Tiere in eine Art Ruhezustand, der, hält er über einen längeren Zeitraum an, zu starkem Gewichtsverlust führt, da die Igel nur sehr selten und sehr wenig Nahrung zu sich nehmen. Um die optimale Temperatur im Terrarium zu erhalten, installiert man am besten einen Keramikstrahler oder eine Rotlichtlampe, welche über einen Controller (zu empfehlen ist der ThermoControl Pro II) gesteuert werden. Die günstigere Variante ist eine Zeitschaltuhr, mit der man durch Ausprobieren die richtigen Wärmezeiten einstellt. Dies sollte aber rechtzeitig - bevor der Igel einzieht - erfolgen.
Auch eine artgerechte Ernährung ist von großer Bedeutung, Igel brauchen auch Lebendfutter wie z.B. Mehlwürmer, Zophobas, Heuschrecken (mehr dazu unter Ernährung) und der Halter darf keine Berührungsängste oder gar Ekel vor dieser "Nahrung" verspüren, denn sie ist für die Gesunderhaltung der Tiere sehr wichtig.
Außerdem ist es wohl eindeutig, dass Weissbauchigel keine Kuscheltiere sind, einige Igel werden zwar sehr zahm und anhänglich, doch gibt es auch immer wieder Individuen, die schüchtern und zurückhaltend bleiben. Auf einige charakteristische Verhaltensweisen gehe ich in dem Menüpunkt "Verhalten" ein. Man sollte daher nie zu viel von seinem Igel erwarten und sich eher an der Beobachtung dieser Tiere erfreuen.

Da auch ein Weissbauchigel einmal krank werden kann, sollte man sich rechtzeitig mit der Wahl eines Tierarztes beschäftigen, der sich mit Exoten auskennt und im Ernstfall schnell erreichbar ist. Außerdem sollten regelmäßig Kotproben der Tiere auf Parasiten untersucht werden, da eine regelmäßige Entwurmung eine unnötige Chemiekeule darstellt und dies nur bei einem nachgewiesenen Befall erfolgen sollte.

Leider treten immer häufiger regelrechte "Vermehrer" dieser Tierart auf, die keinen Wert auf die Gesundheit ihrer Nachzuchten legen, sondern nur auf einen Gewinn durch die Nachzuchten hoffen. Oft werden sich schnell ein paar Pärchen angeschafft und nach ein paar Wochen schon gezüchtet, ohne die Tiere und ihren Charakter richtig zu kennen. So ist es auch nicht verwunderlich, das häufig Probleme auftreten, auf die diese "Züchter" keine Antwort wissen. Dass die Kosten einer verantwortungsvollen Haltung und Aufzucht die Einnahmen durch den Verkauf der Jungtiere meist weit übersteigen, wird oft erst im Nachhinein erkannt und somit „entledigen“ sich viele wieder ihrer Tiere. Daher sollte man, im Wohle der Tiere, beim Kauf von Weissbauchigeln darauf achten, einen seriösen Züchter zu kontaktieren, der Wert auf gesunde Zuchttiere setzt, eine optimale Haltung aufweisen kann, seine Tiere hochwertig und abwechslungsreich ernährt, bei den geringsten Anzeichen einen erfahrenen Tierarzt zur Hand hat und sich intensiv mit seinen Nachzuchten beschäftigt.

 

Rechts ist mein umgebauter Terrarienschrank zu sehen. Er besteht aus zwei verbundenen Kleiderschränken und jedes Terrarium hat die Maße 160x50x50.

Einrichtung

Bei der Einrichtung des Terrariums stehen einem viele Türen offen. Besonders beliebt bei den Igeln und dann auch noch natürlich sind Korkröhren, die zum Schlafen, Klettern und Verstecken einladen, oder auch als Etagenaufgang (der Winkel sollte möglichst flach sein, um den Igeln den Aufstieg zu erleichtern) verwendet werden können. Des Weiteren können auch ein paar raue Steine ins das Terrarium gelegt werden, nur sollte man darauf achten, dass sie weder spitze Kanten noch Löcher haben, in denen sich die Igel verletzen können. Die Steine können zum einen als kleine Hindernisse dienen und unterstützen zum Anderen die natürliche Abnutzung der Krallen.

Auch "klassische" Einrichtungsgegenstände aus den Zooladen, wie Kleintierhäuser zum Schlafen, kleine Nager- oder Katzentoiletten als Sandbad und Klo, Nager-Wigwams als Versteck und natürlich Tonschälchen für Futter und Wasser finden Verwendung im Igelterrarium. Spezielle Kunstpflanzen aus der Reptilienabteilung peppen das Terrarium optisch auf und können den Igeln auch Rückzugsköglichkeiten bieten.

Als Einstreu eignet sich eine gute Kleintiereinstreu, die möglichst wenig staubt und gut Flüssigkeiten bindet. Wir benutzen ausschließlich Tierwohl Super oder Chipsi Super, da es bei uns am besten abgeschnitten hat. Von Hanfstreu raten wir eher ab, da viele Igel allergisch darauf reagieren und sich die teils langen und spitzen Stücke gerne mal an den Tieren festsetzen. Des Weiteren sollte man den Igeln ein Sandbad anbieten, in dem sie sich gerne wälzen und sich somit reinigen. Oftmals wird das Sandbad leider auch als Toilette genutzt, man kann versuchen zwei Schälchen anzubieten und darauf hoffen, dass sie eins als Klo und eins als Bad nutzen, doch eine Garantie dafür gibt es nicht. Um das Terrarium stets sauber zu halten, sollte man täglich die Häufchen aufsammeln und das Klo durchsieben. So entstehen keine unangenehmen Gerüche und der Igel bleibt gesund und sauber (die Tiere machen keinen Unterschied, ob das Sandbad bereits als Toilette benutzt wurde oder nicht). Was immer mal wieder für Abwechslung und Begeisterung sorgt, ist Waldbodenstreu, die man z.B. in eine Ecke des Terrariums oder in eine Extra-Schale füllen kann. Tipps zur Beschäftigung haben wir seperat aufgeführt.

Doch gibt es auch ein paar Einrichtungsgegenstände, mit denen es zu Unfällen kam und von denen wir daher abraten:

  • Kuschelsäcke (sie fangen oft an Fäden zu ziehen, die Tiere verheddern sich oder geraten zwischen die Schichten, was schnell zu schweren Verletzungen oder sogar zum Tode führen kann)
  • Kokosnüsse (ganze Nüsse mit Eingangsloch: sie können schnell zur Falle werden, falls ein Tier darin schläft und sich ein zweites mit hineindrängt - Erstickungsgefahr! Außerdem sind sie für ausgewachsene Igel viel zu eng!)
  • Heuhäuschen (diese sind zwar sehr beliebt, doch muss man sehr darauf aufpassen, dass sie nicht zu nahe an den Wärmelampen stehen, da Entzündungsgefahr besteht. Außerdem zerfleddern sie mit der Zeit und die Tiere können sich verheddern)

Vergesellschaftung

Auch wenn der Weissbauchigel von Natur aus ein Einzelgänger ist, ist es dank der jahrelangen Domestizierung teilweise auch möglich, Igel in Gruppen zu halten. Gerade Weibchen scheinen sich in Gruppen deutlich wohler zu fühlen, bei Männchen kann es immer wieder zu Problemen kommen. Wenn ein neuer Igel zu einem bestehenden Tier oder in eine Gruppe integriert werden soll, ist es wichtig, dass er vorher in Quarantäne kommt und gesundheitlich untersucht wird, damit man sich keine Krankheiten einschleppt. Dazu zählt die erste augenscheinliche Begutachtung des Zustandes, das Beobachten über mehrere Tage, sowie eine Kotprobe (beim Tierarzt abgeben), die auf Parasiten und Bakterien untersucht werden sollte. Ist der Befund negativ und das Tier verhält sich unauffällig, darf es vergesellschaftet werden.

Ganz wichtig ist, dass nur gleichgeschlechtliche Gruppen möglich sind! Werden Männchen und Weibchen zusammen gehalten, wird das Weibchen ununterbrochen von dem Männchen bedrängt und ist ständig trächtig. Die Jungtiere wird sie aber mit großer Wahrscheinlichkeit nicht aufziehen, da sie durch den Stress durch das Männchen dazu nicht mehr in der Lage ist. Auch eine Kastration würde da keine Abhilfe schaffen, da das Männchen das Weibchen weiterhin belästigen würde und eine Kastration allgemein nur aufgrund einer medizinischen Indikation durchgeführt werden darf und allgemein aufgrund der Narkose ein zu großes Risiko für das Tier darstellt.

 

Vergesellschaftung Weibchen:

Die Vergesellschftung von Weibchen kann nahezu in jedem Alter erfolgen. Ob nun Jungtiere miteinander, ältere Tiere, oder Tiere unterschiedlichen Alters - Weibchen sind meist sehr sozial und dulden sich untereinander. Ist nun ein neues Tier eingezogen und gesund kann es einfach mit in das Terra des Partnertieres oder der Gruppe gesetzt werden. Man sollte die Tiere dann eine Zeit beobachten und darauf achten, dass es keine heftigen Kämpfe gibt. Gegenseitiges Schubsen, annuffen und auch das sogenannte Stachelbeißen und -schütteln sind keine Gründe die Tiere zu trennen, sie dienen nur dazu, die Rangordnung festzusetzen. Dieses Verhalten sollte sich nach ein paar Tagen geben und die Tiere gehen harmonisch miteinander um. In der nächsten Zeit sollte man das Gewicht aller beteiligten Tiere beobachten, denn durch Stress können sie abnehmen. Auch grüner Kot weist auf Stress hin. Ist dies der Fall und verschwindet nicht schnell wieder, sollten die Tiere wieder getrennt werden. Man kann es dann nach einiger Zeit nochmal probieren, sollte es wieder scheitern, stimmt die Chemie zwischen den Tieren einfach nicht, oder einer möchte lieber alleine bleiben. Aber wie schon gesagt, geht es bei Weibchen in den meisten Fällen gut und viele Weibchen leiden regelrecht, wenn sie alleine sind.

 

Vergesellschaftung Männchen:

Die Vergesellschaftung von Männchen gestaltet sich zumeist etwas schwieriger, da sie sehr dominant sein können. Hier spielt auch das Alter eine wichtige Rolle. Jüngere Tiere lassen sich deutlich einfacher vergesellschaften, als ältere, auch wenn es später immer wieder zu Rangkämpfen kommen kann. Ein Männchen, welches schon länger als ein Jahr alleine lebt, sollte nicht mehr vergesellschaftet werden, da es ein weiteres Tier in der Regel nicht mehr akzeptiert und solange unterdrückt oder bekämpft, bis einer der beiden den Kürzeren zieht. Hat man nun zwei oder mehrere Männchen, die miteinander vergesellschaftet werden sollen, empfiehlt es sich, dass dafür vorgesehene Terrarium vorher gründlich zu reinigen, auch wenn Igel nicht unbedingt ihr Revier geruchlich markieren. Hier handelt es sich allein um Erfahrungswerte! Daraufhin sollten viele Versteck- und Ausweichmöglichkeiten im Terrarium untergebracht werden, damit sich die Tiere aus dem Weg gehen und sich zurückziehen können. Auch genügend Futter an verschiedenen Stellen kann sehr hilfreich sein. Dann setzt man am Besten alle Tiere gleichzeitig in das Terrarium. Nun gilt es genau zu beobachten, was passiert, dabei sollte man aber keine schwachen Nerven haben, denn es kann unter Männchen ziemlich ruppig zugehen! Gegenseitiges Schubsen, annuffen und auch das sogenannte Stachelbeißen und -schütteln sind keine Gründe die Tiere zu trennen, sie dienen nur dazu, die Rangordnung festzusetzen. Sollte eine Auseinandersetzung allerdings sehr blutig ausgehen (leichte Blessuren können während der Vergesellschaftung schon mal vorkommen) muss man die Tiere trennen! Bis die Rangordnung geklärt ist, können einige Tage vergehen, in denen sich weiter geschubst und auch angepiepst wird. Aber auch in der Zukunft kann es immer wieder vorkommen, dass es Streit gibt, was sich meist aber wieder gibt. In der darauffolgenden Zeit sollte man das Gewicht aller beteiligten Tiere beobachten, denn durch Stress können sie abnehmen. Auch grüner Kot weist auf Stress hin. Ist dies der Fall und verschwindet nicht schnell wieder, sollten die Tiere wieder getrennt werden. Man kann es dann nach einiger Zeit nochmal probieren, sollte es wieder scheitern, stimmt die Chemie zwischen den Tieren einfach nicht, oder einer möchte lieber alleine bleiben.