Handaufzucht

Bevor man eine Handaufzucht wagt, sollte man sich bewusst sein, dass diese Aufgabe viel Verantwortung und Arbeit mit sich bringt und nicht immer erfolgsversprechend ist. Gerade bei Jungtieren, die jünger als 2 Wochen sind, ist es nahezu unmöglich. Allgemein sollte man ein oder mehrere Tiere nur mit der Hand aufziehen, wenn die Mutter verstirbt, das Jungtier verstößt, sie nicht genug Milch hat oder es einen Kümmerling im Wurf gibt. Doch verstößt eine Mutter ein Jungtier, hat dieses Verhalten in der Regel einen einfachen Grund: sie spürt, dass es nicht lebensfähig ist. Tiere sind dafür wesentlich emfänglicher als Menschen, doch man kann dennoch eine Handaufzucht wagen, wenn man nichts unversucht lassen möchte.

Ist es nun wirklich soweit und man zieht ein oder mehrere Tiere selbst auf, braucht man erst einmal das nötige Zubehör:

  • ein Nest (Transportbox mit handwarmer Wärmflasche und Tüchern gepolstert)
  • Aufzuchtmilch (besonders bewährt hat sich Esbilac)
  • Fencheltee
  • Pipetten oder kleine Spritzen (ohne Nadel)

Zu allererst sollte man bei seinem kleinen Schützling den Bauch im Bereich der Aftergegend massieren, damit dieser evt. vorhandenen Milchkot absetzt. Dieses sogenannte Toiletting muss man auch nach jeder Fütterung vornehmen, da die Jungtiere noch nicht in der Lage sind, selbstständig Kot abzusetzen. Die Massage muss jedesmal bis zum gewünschten Erfolg, also dem Kotabsatz, durchgeführt werden.

Zur Fütterung vermischt man einen Teelöffel Aufzuchtpulver mit zwei Teelöffeln frisch gekochtem Fencheltee und lässt es abkühlen, bis es handwarm ist. Nun bettet man das Jungtier in die Hand, sodass es quasi sitzt und hält es leicht mit dem Daumen fest. Danach zieht man etwas der Aufzuchtmilch in die Pipette oder Spritze auf und hält es an das Mäulchen des Jungtiers. Oft trinken diese aber nicht sofort, man kann daher zur Motivation einen Tropfen an das Maul setzen und warten, bis dieser eingesaugt wird. Bis zu einem Gewicht von ungefähr 100 Gramm sollte das Tier ca. 8 mal am Tag gefüttert werden, in der Nacht reichen 2 Fütterungen. Später genügen 5 Fütterungen am Tag. Anfangs sollte das Tier ca. 5 Gramm pro Tag zunehemen, später mindestens 10 Gramm. Ab 3-4 Wochen kann man das Jungtier an ein Schälchen gewöhnen, aus dem es die Milch selbstständig aufnimmt. Bereitet dies am Anfang noch etwas Schwierigkeiten sollte man noch etwas aus der Flasche dazu füttern. Trinkt es sicher aus dem Schälchen sollte man etwas Rinderhack, Rührei oder eingeweichtes Trockenfutter der Milch zusetzen, damit das Tier lernt, dieses zu sich zu nehmen. Auch wenn es sich am Anfang noch nicht dafür begeistern lässt, wird es schnell daran Gefallen finden und sollte mit 5 Wochen rein auf Futter umgestellt werden (die Milch jetzt bitte weglassen und nur noch Wasser als Flüssigkeitsquelle anbieten). Sobald das Jungtier eigenständig frisst ist es auch nicht mehr nötig, das Toiletting vorzunehmen, da es dazu nun selbst in der Lage ist.