Grundlagen

Ich möchte an dieser Stelle einen Überblick über die Zucht des afrikanischen Weissbauchigels geben, die bei Weitem nicht so einfach und unkompliziert ist, wie manche denken, zumindest wenn man mit Herz und Verstand an die Sache herangeht. Trotz allem ist dies keine vollständige Anleitung zur Zucht, sondern nur ein kurzer Abriss und soll nicht als einzige Wissensbasis dienen. Man sollte sich immer mit einem erfahrenen Züchter in Kontakt setzen, der einem mit Rat und Tat zur Seite stehen kann. Auch eine vorherige Anmeldung in einem auf Weissbauchigel spezialisiertem Forum sollte selbstverständlich sein.

Eine verantwortungsvolle Zucht beginnt schon mit der Wahl der Elterntiere, an deren Stammbaum man über mehrere Generationen ihre Abstammung nachvollziehen kann, was bei späteren Verpaarungen von großer Bedeutung ist. Solche Zuchttiere haben einen gewissen Wert, doch sollte man sich von dem Kaufpreis nicht abhalten lassen, denn nur gesunde Tiere mit einer nachvollziehbaren Abstammung sollten für die Zucht eingesetzt werden. Idealerweise hat man sich vor dem Kauf schon ein Zuchtziel gesteckt und sucht dementsprechend passende Tiere aus. Dabei spielt nicht nur die Farbe des ausgewählten Tieres eine Rolle, sondern auch die seiner Vorfahren, denn nur so kann man sein Zuchtziel erreichen und gewissenhaft eine Verpaarung starten. Man sollte auch immer Krankheiten der Vorfahren erfragen, um Erbdefekte ausschließen zu können. Des Weiteren gitb es Verpaarungen und Kombiantionen, die man meiden sollte, dazu später mehr. Ein weiterer wichtiger und nicht zu unterschätzender Punkt ist das Platzangebot: Für die männlichen und weiblichen Zuchttiere (-gruppen) hat man natürlich jeweils ein Terrarium, das macht schonmal zwei. Dann benötigt man noch ein seperates Terrarium für die Verpaarung und später für die Geburt und Aufzucht der Jungtiere, da das Muttertier dafür von den anderen Igelweibchen getrennt werden muss. Damit wären wir schon bei drei Terrarien. Mit 6-8 Wochen müssen die männlichen Jungtiere von Mutter und Schwestern getrennt werden, da sie dann schon in ein Alter kommen, in dem sie geschlechtsreif werden. Sie sind aber noch zu klein, um zu den adulten Männchen gesetzt zu werden. Somit wären wir dann bei 4 Terrarien. Hat man eine gewisse Anzahl von Zuchttieren, können die natürlich auch nicht alle zusammen in einem Terrarium gehalten werden, sondern man muss sie in mehrere Gruppen aufteilen, wofür wieder Terrarien benötigt werden. Außerdem muss man immer damit rechnen, dass Jungtiere kein neues zu Hause finden und auch sie untergebracht werden müssen. Ganz wichtig ist auch noch ein Quarantäneterrarium, in dem neue oder kranke Tiere separiert werden können. Hat man den Platz und das Geld für so viele Terrarien? Auch später kommen noch weitere Kosten für eine gesunde Ernährung der Zucht- und Jungtiere, evt. Tierarztbesuche, regelmäßige Kotuntersuchungen und allgemein anfallende Ausgaben (Streu, Einrichtung...) dazu.

All dessen muss man sich als (angehender) Züchter bewusst sein und vorher die nötigen Vorkehrungen treffen. Wenn man soweit ist, kann man einen Schritt weiter gehen und sich Gedanken über die Verpaarung machen.

Verpaarung und Geburt

Ein weibliches Tier sollte erst ab einem Alter von 6 Monaten gedeckt werden, da es dann ausgewachsen ist. Außerdem sollte es ein Gewicht von mindestens 300 Gramm erreicht haben. Des Weiteren sollten weibliche Tiere, die älter als zwei Jahre sind nicht zum ersten mal gedeckt werden. Bei den männlichen Tieren spielt das Alter keine große Rolle, da sie ab ca. 8 Wochen geschlechtsreif sind und auch noch im Alter decken dürfen/können. Zur Vorbereitung wird das Terrarium mit den nötigsten Sachen eingerichtet und eingestreut. Für die Verpaarung hat es sich bewährt, Männchen und Weibchen 2-5 Tage zusammen zu lassen, soweit sie sich verstehen. Diese Tage sollte man sich genau im Kalender notieren, um die Geburt abschätzen zu können. Nach der Verpaarung können die Tiere wieder in ihre Gruppen, wobei es sich bei manchen Männchen bewährt hat (falls sie nicht alleine leben) sie noch ein paar Tage zum "Abkühlen" einzeln in dem Terrarium zu lassen. Das Weibchen sollte ab dem 30. Tag des erst möglichen Deckungsdatums einzeln in ihr Aufzuchtbecken gesetzt werden. Sie benötigt ein ausreichend großes Haus und Nistmaterial, dazu eignet sich besonders gut unbedrucktes Küchen- oder Klopapier. Außerdem sollte das Terrarium an einem möglichst ruhigen Ort stehen, um die Mutter nicht zu stören, andernfalls kann sie leicht gestresst werden, was dazu führen könnte, dass sie ihre Jungtiere ununterbrochen hin- und herträgt oder im Zweifelsfall sogar tötet. Für die Geburt und die ersten Tage danach kann man die Scheibe des Terrariums auch mit einer Decke zuhängen. Mit der Geburt kann man ab dem 35. Tag rechnen, dabei gilt es das erst- und letztmögliche Deckungsdatum zu beachten. Es ist auch schon vorgekommen, dass eine Trächtigkeit 55 Tage gedauert hat, daher sollte man die Weibchen auch ohne Schwangerschaftsanzeichen (die man in manchen Fällen gar nicht wahrnimmt) mindestens bis zum 55. Tag nach dem letztmöglichen Deckungsdatum alleine halten. Während und nach der Geburt sollte man Mutter und Jungtiere so wenig wie möglich stören, einzig eine kurze Nestkontrolle, die Reinigung des Terrariums und der Futter- und Wasserwechsel sollten vorgenommen werden. Es ist wichtig, nach toten Jungtiere zu schauen und diese, falls vorhanden, sofort zu entfernen. Auch das Muttertier sollte kontrolliert und beobachtet werden, um Probleme und Komplikationen rechtzeitig zu erkennen. So kann es z.B. sein, dass ein Jungtier im Geburtskanal feststeckt, was zu Tod von Mutter und Jungtier(en) führt und sofort von einem Tierarzt behandelt werden muss.

Alles Weitere regelt die Mutter ganz von allein. Doch kommt es auch immer mal wieder vor, dass ein oder mehrere Jungtiere nicht versorgt werden. Dies kann mehrere Ursachen haben: entweder ist die Mutter gestresst, sie hat nicht genügend Milch, der Wurf ist zu groß oder sie spürt, dass das oder die betroffenen Jungtiere krank und nicht lebensgfähig sind. In einem solchen Fall gilt es abzuwägen, ob eine Handaufzucht möglich und sinnvoll ist. Dazu später mehr.

Aufzucht der Jungtiere

Jeden Tag sehen die kleinen rosa Babys dann mehr und mehr nach Igeln aus, die genaue Entwicklung finden sie hier. Sobald die Jungtiere selbstständig das Nest verlassen, kann man anfangen, sich mit ihnen zu beschäftigen. Am Anfang, indem man einfach nur die Hand ins Terrarium hält und die Jungtiere alles erkunden lässt. Schnell werden sie begeistert die Hand abschlecken und sich daraufhin genüsslich einspeicheln und vielleicht auch schon von alleine auf die Hand krabbeln. Als nächsten Schritt kann man sie dann hochheben und kurz aus dem Terrarium nehmen. Aber man sollte darauf achten, Mutter und Jungtiere nie zu lange zu trennen. Wenn aus dem anfänglichen vorsichtigen Erkunden des Terrariums selbstbewusstes, aktives Umherlaufen geworden ist, können Mutter und Jungtiere auch gemeinsam in den Freilauf gesetzt werden und dort für eine gewisse Zeit die "Welt" zu erkunden. Je intensiver man sich mit den Jungtieren beschäftigt, desto zutraulicher werden sie in ihrem späteren Leben sein. Ganz wichtig ist es auch, die Jungtiere, sobald sie anfangen zu fressen, an die unterschiedlichsten Futtersorten zu gewöhnen, damit sie sich später nicht zu Mäklern entwickeln.

Mit 6 bis 8 Wochen können die männlichen Jungtiere bereits geschlechtsreif werden und man sollte sie von der Mutter und den Schwestern trennen. Bei besonders frühreifen Männchen kann man beobachten, wie sie anfangen, der Mutter "hinterherzustellen" und sie anpiepsen. Hier sollte schnellst möglich getrennt werden!

Ab einem Alter von 8 Wochen und einem Mindestgewicht von 180 Gramm können die Jungtiere in ihr neues zu Hause vermittelt werden, sofern sie gesund und futterfest sind. Dem Muttertier sollte jetzt eine Pause von mindestens 6 Monaten bis zur nächsten Verpaarung gegönnt werden, damit sie sich erholen und stärken kann.

Verpaarungen und Kombinationen, die man meiden sollte

Es gibt ein paar Fälle, in denen man die Finger von einer Verpaarung lassen sollte. Dazu zählen z.B. reine Reverse-Verpaarungen, d.h. sowohl Mutter als auch Vater sind Reverse Pintos. In diesem Fall werden auch die Jungtiere zu 100% Reverse Pintos. Da Reverse Pintos taub sind, wird ihr Merkmal nicht gezielt heraus gezüchtet, sondern sie werden in der Regel mit Tobiano Pintos verpaart, um den hohen Weißanteil bei den Nachzuchten zu erhalten, möglichst aber keine Reverse Pintos zu züchten.

Des Weiteren sollten Albinos nicht zur Zucht eingesetzt werden, da es sich bei Albinismus um einen Gendefekt handelt und die Tiere oft mit mehr gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben, als "normale" Tiere. Das heißt natürlich nicht, dass sie weniger liebenswert sind, doch sollte man aus Liebe zum Tier die Verbreitung des ohnehin schon häufigen Gendefekts nicht noch weiter unterstützen.